La Befana

Jedes Jahr in der Nacht zwischen dem 5. und 6. Januar treibt die Befana ihr Unwesen in Italien. Dann, wenn es dunkel ist und nur der Mond schient, schwingt sie sich wie eine Hexe auf ihrem Besen und fliegt kreuz und quer von Haus zu Haus durch das Land. Die Kinder lieben sie, auch wenn sie kein schöner Anblick ist. Die Befana ist eine alte und hässliche Frau, schlecht gekleidet, ihr Rock ist aus Stofffetzen geschneidert und auf der Schulter, trägt sie einen selbst gestrickten alten Schal. Die Socken braver Kinder stopft sie mit Süßem, die, der böse Kinder, mit Holzkohle. Keine Sorge diese ist aus Zucker.

In Italien hat die Befana einen besonderen Stellenwert und sie wird groß gefeiert. In der Kälte warten die Kinder auf die Befana, alle möchten sie sehen. Auf den Straßen wird gefeiert, es gibt Musik, zum Trinken und zum Naschen. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist ein großes Feuer, das aber mehr einen Scheiterhaufen gleicht, denn hoch oben, am höchsten Punkt ist eine Puppe angebracht: die Befana. Groß und Klein versammeln sich um den Scheiterhaufen und sieht zu, wie alles niederbrennt. Il falò ist das italienische Wort für Freudenfeuer/Lagerfeuer und hier in der Provinz Padova hießt es „el bugneo“.

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal eine dieser Feier in Este im Stadtviertel „Este Nuova“ organisiert. Zum Aufwärmen gab’s Glühwein für die Erwachsenen und heiße Schokolade für die Kleinen. Aber die dickflüssige Schokolade, die wir in Italien haben. Habt ihr schon mal eine heiße Schokolade in Italien getrunken? Die ist fast wie Pudding und ich liebe sie, einfach nur lecker! Inmitten am Platz haben wir eine kleine Bühne für das Unterhaltungsprogramm der „I Mori della Laguna“, eine folkloristische Gruppe, aufgestellt. Und wenn dann endlich die Sonne am Horizont verschwunden war, kam die Befana mit drei Eseln und andere gruslige Gestalten und verteilt den Kindern Bonbons. Höhepunkt der Veranstaltung ist natürlich das Feuer, das wir nicht auf dem Platz vorbereitet haben, sondern in der gegenüber liegende Wiese, mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen, die uns von der Stadtverwaltung vorgegeben wurden. Diesen Punkt will ich kurz hervorheben, denn man kann nicht einfach ein Feuer anzünden, gerade dort wo man möchte. Sondern man muss verschiedene Ansuchen sowohl in der Gemeinde, als bei der Feuerwehr und beim Grundbesitzer einreichen und auf dessen positiven Bescheid abwarten.

Die Puppe, die oben auf dem Scheiterhaufen steht, habe ich gemacht. Zum Glück sieht man nicht viel von ihr, ich hab’s nicht so mit dem Schneidern, aber ich hab mein Bestes gegeben. Und das ist dabei herausgekommen. Ja, ich weiß, sie schaut schrecklich aus.

Zum Abschluss noch: Fragt mich bitte jetzt nicht, warum die Kinder zuerst auf den Straßen gespannt auf die Befana warten und dann fröhlich zusehen wie sie auf dem Scheiterhaufen verbrennt.

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