Mundart

IL BOSEGATO

Mein Mann hat mir sehr ans Herz gelegt, hier auf diesen Seiten, Platz für den Bosegato zu finden. Ein Wort, das nach seiner Meinung im Vokabular eines jeden nicht fehlen darf. Er selbst verwendet es für jegliche Person oder Gegenstand, nie aber meint er es böse, er liebt es einfach jeden aufs Korn zu nehmen. Was ist jetzt nun ein Bosegato? Ein Bosegato ist das Hausschwein. Das Wort stammt aus den lokalen Dialekt im Veneto und ist vor allem in Chioggia und in Padova verbreitet. Wenn ein Italiener dich Bosegato nennt, so bitte dürft ihr dies nicht auf der gleichen Weise wie im Deutschen verstehen. Meistens werden Kleinkinder so genannt, wenn sie am Esstisch oder beim Spielen sich sehr schmutzig manchen. Oder man kann damit einen einfach gestrickten Menschen meinen. Die Steigerung für eine unkultivierte und rüder Person, ist aber Boaro. Wenn jemand euch diesen Spitznamen gibt, so dürft ihr euch beleidigt fühlen.

RAGA – TOSE -TOSI

Was bedeutet RAGA?

“Sù raga!” Hört man auf dem Spielfeld oder auch auch mal “RAGA!”. Auch die Variante “Sù tose!”, für die Mädels oder “Sù tosi!” Für die Jungs. Was dies wohl bedeutet? Tose sind die Mädels und tosi die Jungs. Die Verkleinerungsform wäre “tosetto”. Raga verwendetet man sowohl bei Mädchen, wie bei Buben. Das Wort “sù” steht für “auf” und zusammengesetzt feuert man sich gegenseitig an. 

Die Wochentage im Veneto: Montag = Lùni —- Dienstag = Màrti —- Mittwoch = Mèrcore —- Donnerstag = Zòbia —- Freitag = Vènare —- Samstag = Sàbo —- Sonntag = Domènega

Nur zum Vergleich: lunedì, martedì, mercoledì, giovedì, venerdì, sabato und domenica. Also ich bevorzuge die Version in Veneto. Sie verwenden oft ein Z oder ein X, wobei das X meistens ein S oder ein Z ersetzt und das Z auch mal ein S sein kann, oder das G ersetzt (wie oben für Donnerstag). Find das hört sich viel lockerere und weicher an. Anfangs klingt alles fremd, aber mit ein bisschen Gehör und Geduld, versteht man den Dialekt. Manchmal kann man Wörter hören, die dem Spanischen ähneln. Hier ein Link zum Reinhören … so könnt ihr euch mal mit dem Dialekt ein bisschen anfreunden, wenn ihr wollt: „Veneto xe stupendo“

Tirare due porci. Dies ist ein Ausdruck, die ich im alltäglichen des Öfteren höre.

porci = pochi = maiale = Schwein / Das Verb tirare bedeutet hier nicht ziehen sonder werfen oder auch schleudern. Wortwörtlich würde es damit heißen, dass man mal 2 Schweine wirft, bzw. irgendwo hinschleudert. Was natürlich nicht der Fall ist. Wenn jemand diesen Ausdruck verwendet, ist es auf den Satz „Mi metto a bestemmiare“ gleichzusetzen, also, auf jemanden beschimpfen.

Redewendungen

OLIO DI GOMITO Hat jemand von euch mal den Satz “Ci vuole olio di gomito.” gehört? Auf Deutsch wortwörtlich übersetzt würde es heißen: “Man braucht Ellenbogen-Öl”. In den Ellenbogen finden wir zwar die Gelenkflüssigkeit, die sowas wie Schmiere funktioniert, aber diese pressen wir selbstverständlich nicht aus unseren Ellenbogen. Im Netzt findet man witzige Cartoons, also googeln zahlt sich hier aus. Wir benützen diese Redewendung, wenn man hart anpacken muss, so wie “die Ärmel hochkrempeln” oder “harte Knochenarbeit”. 

MARINARE LA SCUOLA Hier geht’s nicht darum, dass man die Schule mit Essig und Öl bespritzt, oder gar einlegt, sondern ums Blaumachen = Schule schwänzen.

FARSI LE OSSA  – SICH DIE KNOCHEN MACHEN  Wenn man Redewendungen wortwörtlich übersetzt, so stoßt man oft auf Nonsens. Sich die Knochen machen, klingt wirklich komisch. Und es ist nicht gemeint: Knochenarbeit. Wenn der Italiener sag “Farsi le ossa”, so meint er: Praxis macht und Erfahrung sammeln. Sich von einer kleine Position hocharbeiten. 

TAGLIARE LA TESTA AL TORO = Dem Stier den Kopf abschneiden. So makaber das jetzt klingt, desto harmloser ist diese Redewendung (heutzutage), denn natürlich wird keinem Stier der Kopf abgeschnitten. Wenn man ein Problem von vorn herein unmissverständlich lösen möchte, so sagt der Italiener: „Taglio la testa al toro!“

Woher kommt eigentlich diese Redewendung? Im Netzt findet man viele Erklärungen. Die beste Erklärung findet ihr im Video auf der Facebook-Seite von: Il viaggio di scoperta. Sucht das Video „Non sfidate Venezia!“ vom 22 Juli 2018. Im übrigen empfehle ich diese Facebook-Seite allen, die sich ein bißchen für die Geschichte Venedigs interessieren.

Redewendung aus dem Veneto

Ciapare la carne” – Prendere la carne = Das Fleisch bekommen. Hier ist nicht gemeint, dass jetzt wirklich jemand ein Stück Fleisch bekommt, sonder: “Ricevere una ramanzina.” – In Deutsch würde wir sagen: „Er hat eine Predig bekommen.“

Ps: ciapare spricht man tschiapare aus.

„Il prete nel letto“ oder auch „Monega/Munega“

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Erst kürzlich hat eine Bekannte auf Facebook das folgende Foto gepostet:

Auf dem ersten Blick, würden die meisten sagen: Das ist aber ein komischer Schlitten… muss a wian schmunzeln , denn nicht jeder Italiener weiß noch was das in Wirklichkeit ist. Deshalb steht im Text: „Wenn weißt für was man es braucht, klick auf Gefällt Mir und teile den Post.

Aber was ist das nun jetzt wirklich? Ganz sicher kein Schlitten. Als Einleitung muss ich kurz ausweichen: Zur kalten Jahreszeit wärmte sich unsereins das Bett mit einer Wärmflasche aus Kupfer. Kennt diese jemand von euch noch? Bei meiner Mutter zu Hause hab ich noch solch eine:

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Der Italiener hingegen, hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Il letto del prete! Wortwörtlich heißt es „Das Bett des Pfarrers“, aber natürlich ist nicht das seine gemeint.

Wie man auf dem Foto sieht, besteht es aus zwei Teilen: ein Gestell aus Holz, das mancher Eins im ersten Moment für einen etwas andersartigem Schlitten haltet, genannt prete (Pfarrer) und eine Pfanne aus Metall oder Terrakotta mit einem Griff, genannt suora (Nonne). Das Holzgestell besteht aus zwei Halbbögen, zusammengeführt ergeben sie die Form eines Bootes. Im Zentrum sind zwei dünne Metallplatten eingebaut (nicht immer, kann auch nur aus Holz bestehen). Zwischen diese wird die suora mit der heißen Glut, meist aus Holzkohle, aufgelegt. Die Bögen liefern genug Raum, damit die Pfanne nicht das Bett verbrennt. Das ganze kommt unter den Bettdecken, zwischen Ober- und Unterleintuch, in der Mitte des Bettes. Erst vor dem Schlafen gehen wird sie entweder herausgenommen oder am Ende der Füße verlegt. So hatte man zur kalten Winterzeit, ein warmes Plätzchen. Dieses einfache Gerät heizt nicht nur, sondern es nimmt auch die gesamte Feuchtigkeit aus den Leintüchern.

Je nach Region heisst das gute Stück auch frate, suora (nicht nur die Pfanne), monaca, monega e munega, wobei die beiden letzteren immer monaca bedeutet (Nonne). Die Pfanne wird auch fogàra genannt.

Warum aber dieses Gerät Bezug auf die katholische Kirche nimmt, ist unklar. Hab diesbezüglich auch nichts gefunden.